Technik
Beschattung automatisieren: Storen, die der Sonne folgen
Storen, Raffstoren und Rollläden mit Wetterstation und Sonnenstandsnachführung: wie das Haus im Sommer kühl bleibt, bei Wind sicher ist und was sich bei bestehenden Motoren nachrüsten lässt.

Storen, die von Hand bedient werden, stehen meistens falsch: am Morgen zu lange unten, am Nachmittag zu spät, bei Sturm gar nicht oben. Eine automatische Beschattung ist die Funktion, die unsere Kunden nach einem Jahr am wenigsten missen möchten.
Was eine automatische Beschattung braucht
Drei Dinge: Motoren, die vom Smart Home angesteuert werden, eine Wetterstation auf dem Dach oder an der Fassade und eine Logik, die beides verbindet. Die Wetterstation misst Wind, Helligkeit aus mehreren Richtungen, Regen und Aussentemperatur; gute Geräte berechnen aus Datum, Uhrzeit und Standort zusätzlich den Sonnenstand.
Storen, Raffstoren, Rollläden: nicht dasselbe
- Stoffstoren und Markisen schützen vor Sonne, sind aber windempfindlich und fahren als Erste ein.
- Raffstoren (Lamellenstoren) lassen sich in Höhe und Lamellenwinkel steuern – die beste Wahl für die Sonnenstandsnachführung, weil Tageslicht hereinkommt, während die direkte Strahlung draussen bleibt.
- Rollläden schliessen dicht, dunkeln ab und dämmen etwas. Ideal für Nacht und Schlafzimmer, für die Tagsteuerung zu grob.
Sonnenstandsnachführung
Die Steuerung kennt Azimut und Höhe der Sonne und weiss, wie jede Fassade orientiert ist. Trifft die Sonne auf ein Fenster und liegt die Helligkeit über einem Schwellwert – etwa 30’000 Lux für die Südseite –, fährt die Store dieser Seite herunter. Bei Raffstoren stellt die Steuerung den Lamellenwinkel so, dass die direkte Strahlung gerade abgeschirmt wird, aber Tageslicht durchkommt. Wandert die Sonne weiter, ändert sich der Winkel mit; nach zehn bis zwanzig Minuten ohne Sonne fährt alles wieder hoch. Diese Verzögerungen sind wichtig, sonst pendelt die Anlage bei jeder Wolke.
Sommerlicher Wärmeschutz
Durch ein unbeschattetes Südfenster kommen an einem klaren Sommertag mehrere hundert Watt pro Quadratmeter Glas ins Haus. Aussenliegende Beschattung hält den grössten Teil davon draussen; ein innenliegender Vorhang nur einen Bruchteil, weil die Wärme bereits im Raum ist. Wird die Innentemperatur berücksichtigt, beschattet das Haus im Frühling erst, wenn es drinnen wärmer als etwa 23 Grad wird – im Winter darf die Sonne heizen.
Sicherheit bei Wind
Die wichtigste Regel: Windalarm hat Vorrang vor allem. Überschreitet die Windgeschwindigkeit den vom Storenhersteller angegebenen Wert – bei Stoffstoren oft schon 30 bis 40 km/h –, fahren die Storen hoch und bleiben es, bis der Wind für einige Minuten nachgelassen hat. In dieser Zeit sind manuelle Befehle gesperrt. Bei Frost gilt dasselbe für Rollläden, die sonst festfrieren.
Zusammenspiel mit Heizung und Kühlung
Beschattung ist Teil des Klimakonzepts. Im Winter bleibt die Südseite bei Sonne offen und spart Heizenergie; im Sommer schliesst sie, damit die Kühlung – oft die Wärmepumpe im Kühlbetrieb – weniger arbeiten muss. Das funktioniert nur, wenn Beschattung, Heizung und Raumfühler im selben System liegen.
Nachrüsten bei bestehenden Motoren
Motoren mit 230-Volt-Anschluss lassen sich fast immer einbinden: Ein Jalousieaktor im Verteiler oder ein Unterputzmodul hinter dem Schalter übernimmt die Steuerung, der alte Schalter bleibt als Taster. Funkmotoren von Somfy (RTS, io-homecontrol) werden über eine Bridge angebunden. Eine Wetterstation lässt sich nachrüsten, solange eine Leitung oder Funkverbindung aufs Dach möglich ist.
Fazit
Automatische Beschattung ist unspektakulär, bis der erste Hitzesommer kommt. Sie braucht eine Wetterstation, eine Logik mit Verzögerungen und eine Windsperre, die niemand umgehen kann. Wir planen sie mit Ihrem Storenbauer und Elektriker zusammen und erklären, wie Raffstoren der Sonne folgen.
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