Herkunft
Von X10 bis Matter: Woher das Smart Home kommt
Die Idee vom Haus, das mitdenkt, ist fünfzig Jahre alt. Eine kurze Geschichte der Hausautomation – von der Steckdose aus Schottland bis zum gemeinsamen Standard.

Das Smart Home ist keine Erfindung der Smartphone-Zeit. Die ersten Häuser, die Licht und Geräte selbständig schalteten, gab es lange vor dem ersten iPhone. Wer die Herkunft kennt, versteht auch, warum heute so viele Systeme nebeneinander bestehen.
1975: Ein Signal über die Stromleitung
Den Anfang machte X10, entwickelt von Pico Electronics im schottischen Glenrothes. Die Idee war bestechend einfach: Steuerbefehle werden auf die vorhandene 230-Volt-Leitung moduliert, jede Steckdose und jede Lampe bekommt eine Adresse. Keine neuen Kabel, keine Funkmodule. X10 war langsam und störanfällig, aber erschwinglich – und es hat bewiesen, dass ein Haus Befehle entgegennehmen kann.
Die Neunziger: Der Bus kommt ins Gebäude
In Europa gingen Elektroindustrie und Installateure einen anderen Weg. Anfang der Neunzigerjahre entstand der Europäische Installationsbus EIB: eine eigene, grün ummantelte Leitung, die parallel zum Stromnetz verlegt wird und über die Taster, Aktoren und Sensoren miteinander sprechen. 1999 schlossen sich EIB, BatiBUS und EHS zur KNX Association zusammen. KNX ist seither international genormt und bis heute abwärtskompatibel: Ein Taster aus den Neunzigern arbeitet in einer aktuellen Anlage weiter.
Die Nullerjahre: Funk und neue Ideen
Mit Z-Wave und Zigbee kamen Funkstandards, die ohne Buskabel auskommen. Sie machten die Nachrüstung möglich, mit allen Nachteilen von Batterien und Reichweite. Aus dem Umfeld der ETH Zürich entstand digitalSTROM, das die Intelligenz in winzige Klemmen hinter dem Schalter verlegt und wie einst X10 über die Stromleitung kommuniziert. 2009 wurde im oberösterreichischen Kollerschlag Loxone gegründet – mit dem Anspruch, Hausautomation aus einer Hand und mit einem zentralen Rechner, dem Miniserver, anzubieten.
Die Zehnerjahre: Das Smart Home wird Konsumgut
2011 stellte Nest einen Thermostaten vor, der lernte, wann die Bewohner zu Hause sind. 2012 folgten die farbigen Hue-Lampen von Philips, 2014 der erste Echo-Lautsprecher mit Alexa und Apples HomeKit, 2016 Google Home. Plötzlich war das Smart Home in jedem Elektronikmarkt – aber jedes Gerät sprach seine eigene Sprache und brauchte seine eigene App. Aus dieser Frustration entstand 2013 auch Home Assistant, eine offene Software, die Hunderte Systeme unter einem Dach vereint.
2022: Matter, der gemeinsame Nenner
Erst 2022 einigten sich Apple, Google, Amazon und Samsung mit der Connectivity Standards Alliance auf Matter, einen Standard, mit dem ein Gerät in allen grossen Plattformen gleichzeitig funktioniert. Der Kreis schliesst sich: Was X10 mit einer Adresse pro Steckdose begann, ist heute ein weltweiter Standard mit Zertifizierung.
Was aus der Geschichte bleibt
Drei Lehren ziehen wir aus fünfzig Jahren Hausautomation. Erstens: Kabel überleben Funkstandards. Zweitens: Offene Normen überleben Firmen. Drittens: Das beste System ist das, das die Bewohner nach zehn Jahren noch bedienen können, ohne die Anleitung zu suchen. Genau daran messen wir jede Anlage, die wir in Solothurn und Umgebung planen.
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