Smart Home
KNX erklärt: Der Standard, der seit 30 Jahren hält
KNX ist das Bussystem, auf das Elektroplaner in der Schweiz am häufigsten setzen. Wie es funktioniert, was es kostet und für wen es die richtige Wahl ist.

Wenn in einem Schweizer Neubau von «intelligenter Elektroinstallation» die Rede ist, ist meistens KNX gemeint. Der Standard ist über dreissig Jahre alt, wird von mehreren hundert Herstellern unterstützt und ist international genormt. Das macht ihn nicht zum aufregendsten System, aber zum verlässlichsten.
So funktioniert KNX
Neben der normalen Stromleitung wird eine zweite, grüne Leitung verlegt: der Bus. An ihm hängen alle Teilnehmer – Taster, Präsenzmelder, Wetterstationen, Aktoren für Licht, Storen und Heizung. Jeder Teilnehmer hat eine eigene Adresse und ein eigenes kleines Programm. Drückt jemand einen Taster, schickt dieser ein Telegramm auf den Bus; der zuständige Aktor liest es und schaltet. Es gibt keinen zentralen Rechner, der ausfallen könnte. Fällt ein Gerät aus, arbeiten alle anderen weiter.
Der Bus läuft mit Kleinspannung, darf also mit der Netzleitung im gleichen Rohr liegen und ist im Betrieb praktisch wartungsfrei. Neben der Leitung gibt es KNX über Funk und über das Netzwerk, damit sich auch Nachrüstungen und grosse Anlagen abbilden lassen.
Die Programmierung: ETS
Konfiguriert wird eine KNX-Anlage mit der ETS, der Engineering Tool Software der KNX Association. Hier legt der Integrator fest, welcher Taster welche Lampe schaltet, wann die Storen fahren und wie die Heizung reagiert. Die ETS ist der Grund, warum KNX als aufwendig gilt: Die Software kostet Lizenzgebühren, und Änderungen macht in der Regel der Fachbetrieb, nicht der Bewohner. Dafür ist die Anlage sauber dokumentiert und von jedem KNX-Integrator weltweit übernehmbar.
Stärken
- Herstellerunabhängig: Feller, ABB, Siemens, Hager, Gira, Jung, MDT und viele mehr arbeiten in derselben Anlage.
- Dezentral: kein zentraler Ausfallpunkt.
- Langlebig: Geräte aus den Neunzigern laufen in aktuellen Anlagen.
- Geeignet für grosse Gebäude ebenso wie für Einfamilienhäuser.
Schwächen
- Höherer Preis pro Funktion als bei Funklösungen.
- Änderungen brauchen die ETS und meist den Integrator.
- Für App, Sprachsteuerung und Fernzugriff ist ein zusätzlicher Server nötig.
- Im Altbau ohne Umbau kaum nachrüstbar.
Was eine KNX-Anlage kostet
Eine ehrliche Antwort: mehr als eine konventionelle Installation, und der Mehrpreis hängt weniger vom Standard als von der Anzahl Funktionen ab. Jeder gedimmte Lichtkreis, jede motorisierte Store und jeder Heizkreis ist ein Kanal, und Kanäle kosten. Wir raten deshalb, zuerst festzulegen, was das Haus können soll, und erst dann Offerten einzuholen. So vergleicht man Leistung, nicht Markennamen.
Für wen KNX passt
KNX ist die richtige Wahl für Neubauten und umfassende Sanierungen, bei denen die Leitungen ohnehin neu gezogen werden – vor allem, wenn das Haus länger als zehn Jahre so bleiben soll, wie es gebaut wird. Wer schnell und günstig einsteigen will oder zur Miete wohnt, ist mit Funklösungen besser bedient. Und wer ein KNX-Haus mit einer modernen Bedienung, Sprachsteuerung oder Multiroom-Audio verbinden will, findet dafür heute gute Brücken – wir planen sie mit.
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