Orientierung
Signaletik: Wenn Menschen den Weg finden, hat niemand etwas gemerkt
Gute Wegleitung fällt nicht auf. Sie verhindert Fragen am Empfang – und das ist ihr messbarer Nutzen.

Signaletik ist die unauffälligste Disziplin der Werbetechnik. Sie wird nur bemerkt, wenn sie fehlt: an der Rezeption, wo dieselbe Frage zum zwanzigsten Mal gestellt wird.
Der Weg wird zuerst gelaufen, dann gestaltet
Wir beginnen jedes Signaletikprojekt mit einem Rundgang. Wo kommt jemand an? Wo entsteht die erste Unsicherheit? Wo muss eine Entscheidung getroffen werden? An genau diesen Punkten steht später ein Schild – und sonst nirgends. Zu viele Hinweise sind so schlecht wie keine.
Drei Ebenen genügen
- Übersicht: Wo bin ich, was gibt es hier?
- Wegweisung: In welche Richtung geht es?
- Bestätigung: Ich bin angekommen.
Fehlt die dritte Ebene, drehen Menschen um, obwohl sie richtig waren. Das ist der häufigste Planungsfehler.
Material folgt der Nutzung
Ein Türschild in einem Schulhaus wird jährlich hundertfach berührt. Ein Leitsystem in einem Museum muss ohne Werkzeug wechselbar sein. Ein Aussenschild trägt Wind- und Schneelast. Wir wählen das Material danach – eloxiertes Aluminium, Acrylglas, bedrucktes Alu-Verbund oder Folie direkt auf Glas.
Barrierefreiheit ist kein Zusatz
Kontrastreiche Schrift, Mindestgrössen abhängig vom Leseabstand, taktile Elemente auf Griffhöhe und eine Beschriftung, die auch ohne Farbe funktioniert: Das kostet in der Planung nichts extra und macht ein Gebäude für alle nutzbar. Bei öffentlichen Bauten ist es ohnehin gefordert.
Schriftgrössen nach Leseabstand
Eine belastbare Faustregel: Pro Meter Leseabstand braucht es rund drei Millimeter Versalhöhe. Ein Türschild, das aus zwei Metern gelesen wird, verlangt also mindestens sechs Millimeter – in der Praxis nehmen wir zehn. Ein Wegweiser in einer Halle, der aus fünfzehn Metern funktionieren soll, braucht fünf Zentimeter.
Ebenso wichtig ist der Kontrast. Dunkle Schrift auf hellem Grund liest sich besser als umgekehrt, und Grau auf Grau scheitert an jedem grauen Tag.
Modularität spart Geld
Ein Leitsystem lebt zehn Jahre, die Namen darauf oft nur zwei. Deshalb planen wir Träger und Inhalt getrennt: Der Rahmen bleibt, das Einlegeschild wird gewechselt. Bei Bürogebäuden mit häufigem Mieterwechsel rechnet sich das schon nach der zweiten Änderung.
Digital ergänzt, ersetzt aber nicht
Ein Bildschirm im Eingang kann Tagesbelegung und Veranstaltungen zeigen. Die Wegweisung selbst bleibt gedruckt, weil sie auch bei Stromausfall funktionieren muss und weil Menschen sie im Vorbeigehen erfassen. Wir kombinieren beides regelmässig: statisches Leitsystem plus ein bis zwei Bildschirme an den Entscheidungspunkten.
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