Ratgeber
Energie sparen mit Smart Home: Was wirklich wirkt
Ein Smart Home spart nur, wenn es die grossen Verbraucher steuert: Wärmepumpe, Boiler und Elektroauto nach dem Sonnenstrom. Was messbar wirkt, was Komfort ist und wie Sie den Verbrauch sichtbar machen.
«Spart ein Smart Home Energie?» ist eine der häufigsten Fragen in unseren Beratungen. Die ehrliche Antwort: Das Haus spart nur, wenn es die grossen Verbraucher steuert. Ein Dutzend smarte Lampen ändert an der Stromrechnung wenig. Eine Wärmepumpe, ein Boiler und ein Elektroauto, die nach dem Sonnenstrom laufen, ändern viel.
Wo die Energie im Haus hingeht
In einem Einfamilienhaus mit Wärmepumpe entfallen grob zwei Drittel des Stromverbrauchs auf Heizung und Warmwasser, der Rest auf Haushalt und Geräte. Kommt ein Elektroauto dazu, wird es schnell zum grössten Einzelverbraucher. Wer sparen will, muss also bei Wärme, Wasser und Auto ansetzen – und beim Zeitpunkt, zu dem Strom bezogen wird.
PV-Eigenverbrauch steuern
Eine Photovoltaikanlage liefert am Mittag am meisten, das Haus braucht am Abend am meisten. Ohne Steuerung wird der Überschuss zu einem tiefen Tarif eingespeist und am Abend zum vollen Tarif zurückgekauft. Ein Energiemanager – im Smart Home integriert oder als Gerät des Wechselrichterherstellers – misst am Hausanschluss, ob gerade Überschuss vorhanden ist, und schaltet Verbraucher gezielt ein. Die Reihenfolge ist entscheidend: zuerst der Boiler, dann die Wärmepumpe, dann das Auto, zuletzt der Speicher.
Wärmepumpe und Boiler nach Sonnenstrom
Der Boiler ist der einfachste Speicher im Haus: Wasser, das am Mittag mit Sonnenstrom auf 60 Grad erwärmt wird, ist am Abend noch warm. Bei Wärmepumpen läuft das über die Schnittstelle SG Ready mit zwei Kontakten: «Einschaltempfehlung» und «Zwangseinschaltung». Das Smart Home schliesst den Kontakt bei PV-Überschuss, die Wärmepumpe erhöht Vorlauf- oder Boilertemperatur um einige Grad und speichert so Wärme im Gebäude.
Ladestation mit Lastmanagement
Eine Wallbox mit 11 kW zieht so viel wie ein halbes Haus. Zwei Dinge sind zu regeln: Erstens darf der Hausanschluss nicht überlastet werden – das dynamische Lastmanagement drosselt die Ladung, wenn Backofen und Wärmepumpe gleichzeitig laufen. Zweitens soll das Auto möglichst mit Sonnenstrom laden: Die Wallbox regelt die Leistung zwischen rund 1,4 und 11 kW nach dem Überschuss.
Heizung raumweise
Eine Einzelraumregelung senkt die Temperatur in ungenutzten Räumen und in der Nacht. Bei Radiatoren ist der Effekt spürbar, bei trägen Fussbodenheizungen kleiner – dort lohnen sich vor allem der Fensterkontakt, der die Heizung beim Lüften abschaltet, und die Abwesenheitsschaltung in den Ferien.
Verbrauch sichtbar machen
Was gemessen wird, wird kleiner. Ein Zähler am Hausanschluss, einer an der Wärmepumpe, einer an der Wallbox, und die Zahlen auf dem Wandpanel: Damit erkennen Bewohner den Standby-Verbrauch in der Nacht, den alten Kühlschrank im Keller und den Trockner, der immer zur teuersten Zeit läuft. Viele Schweizer Netzbetreiber bieten Hoch- und Niedertarif oder dynamische Tarife an; ein Smart Home verschiebt Verbraucher automatisch in die günstigen Stunden.
Was spart und was Spielerei ist
| Massnahme | Wirkung |
|---|---|
| Boiler und Wärmepumpe nach PV-Überschuss | gross |
| Wallbox mit Überschussladen und Lastmanagement | gross |
| Einzelraumregelung mit Fensterkontakten | mittel |
| Standby-Abschaltung per Schaltsteckdose | klein, aber messbar |
| Farbige Lampen, Sprachsteuerung | Komfort, keine Einsparung |
Fazit
Ein Smart Home spart Energie, wenn es Wärme, Wasser und Auto nach der Sonne steuert und den Verbrauch sichtbar macht. Alles andere ist Komfort – berechtigt, aber keine Sparmassnahme. Voraussetzung ist, dass Wechselrichter, Wärmepumpe, Wallbox und Smart Home miteinander sprechen; darauf achten wir bei der Planung. Wir zeigen Ihnen, wie eine Energieübersicht im Alltag aussieht.
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