Kapitel 17 · Aus der Werkstatt
Die zwölf häufigsten Fehler
Zwölf Fehler, die uns immer wieder begegnen – vom Fernseher im Schaufenster bis zur Bewilligung, an die niemand dachte. Zu jedem das Symptom, die Ursache und die Abhilfe.
Vor ein paar Jahren rief mich ein Optiker an, sein neuer Bildschirm im Schaufenster sei defekt, er zeige nur noch Schwarz. Ich fuhr hin, es war halb drei an einem Julinachmittag, und das Gerät hatte sich abgeschaltet, weil hinter der Scheibe über fünfzig Grad herrschten. Kaputt war nichts, falsch war die Wahl. Die meisten Störungen, die wir am Telefon oder auf der Leiter lösen, sind keine Pannen. Es sind Entscheidungen, die ein halbes Jahr früher gefallen sind. Hier stehen die zwölf, die uns am häufigsten begegnen.
Fehler 1 und 2: Das falsche Gerät, der falsche Platz
Fehler 1: Ein Fernseher statt eines Schaufensterdisplays.
- Symptom: Am Vormittag sehen die Passantinnen vor allem sich selbst, das Bild wirkt milchig und grau. An heissen Tagen schaltet das Gerät ab.
- Ursache: Ein Fernseher bringt 300 bis 400 Candela pro Quadratmeter und ist fürs Wohnzimmer gebaut, nicht für Sonne hinter Glas. Dort steigt die Temperatur weit über die zugelassenen 40 Grad. Dazu die Garantiefrage: Die Hersteller schliessen den gewerblichen Dauerbetrieb bei Haushaltgeräten aus.
- Abhilfe: Ein Display mit mindestens 2500 cd/m², Freigabe für 16/7 und einer Betriebstemperatur bis 50 Grad. Wie Sie die Helligkeit bestimmen, steht im Kapitel über die Hardware.
Fehler 2: Zu hoch montiert.
- Symptom: Der Bildschirm hängt über dem Regal, und niemand schaut hinauf.
- Ursache: Montiert wurde dort, wo die Wand frei war, und frei war sie oben.
- Abhilfe: Bildmitte auf Augenhöhe, im Stehen rund 1,50 bis 1,60 Meter über dem Boden, im Wartezimmer tiefer. Muss das Gerät hoch hängen, neigen wir es fünf bis zehn Grad nach unten und vergrössern die Schrift um eine Stufe.
Fehler 3 und 4: Kein Netz, keine Steckdose
Fehler 3: Kein Netzwerk am Bildschirmstandort.
- Symptom: Die Anlage zeigt Inhalte von vorletzter Woche, und ob das Gerät überhaupt läuft, weiss niemand.
- Ursache: Der Standort wurde nach dem Schaufenster gewählt, nicht nach der Verkabelung. Das WLAN reicht bis zur Ladentür, aber nicht durch die Brandmauer ins Untergeschoss.
- Abhilfe: Ein Netzwerkkabel bis zum Gerät, solange Decke oder Boden offen sind. Geht das nicht, ein kleiner Router mit eigener SIM-Karte für diese Anlage. WLAN ist die letzte Wahl, und dann mit einem Zugangspunkt in Sichtweite des Players.
Fehler 4: Keine Steckdose, wo das Gerät hinsoll.
- Symptom: Ein weisser Kabelkanal quer über das Schaufenster oder eine Steckerleiste zwischen den Auslagen.
- Ursache: Die Elektroplanung war fertig, bevor der Bildschirm Thema war.
- Abhilfe: Die Steckdose gehört hinter das Gerät, verdeckt im Bereich der VESA-Aufnahme, bei Stelen in den Boden. Sagen Sie dem Elektriker den Platz, bevor der Innenausbau beginnt.
Fehler 5 und 6: Zu viel Text, falsches Format
Fehler 5: Zu viel Text auf einer Folie.
- Symptom: Aufzählungen mit acht Punkten, ein Anfahrtsplan in Kleinschrift. Niemand bleibt stehen.
- Ursache: Die Folie ist am Schreibtisch entstanden, sechzig Zentimeter vom Auge entfernt, und dort sah sie gut aus.
- Abhilfe: Ein Gedanke je Folie, die Kernaussage in höchstens sieben Wörtern. Prüfen Sie jede Folie dort, wo Ihre Kundschaft steht. Was Sie von dort nicht in zwei Sekunden erfassen, ist zu klein oder zu viel.
Fehler 6: Falsches Seitenverhältnis, zu tiefe Auflösung.
- Symptom: Schwarze Balken links und rechts, verzerrte Logos, ein Bild wie durch Milchglas.
- Ursache: Ein Inserat aus dem Printlayout oder ein quadratischer Beitrag aus dem Netz landet unverändert auf einem Bildschirm im Hochformat.
- Abhilfe: Für jedes Format eine eigene Fassung, 1920 mal 1080 Bildpunkte für quer, 1080 mal 1920 für hoch. Bilder in der Pixelzahl des Bildschirms liefern, nie hochskalieren. Office-Folien und PDF vorher in Bild oder Video umwandeln.
Fehler 7 und 8: Der Rhythmus und der Ton
Fehler 7: Der Loop ist zu lang oder zu kurz.
- Symptom: Zu lang, und die wichtigste Botschaft erwischt kaum jemand. Zu kurz, und dieselben drei Folien flackern im Halbminutentakt, bis das Personal den Stecker zieht.
- Ursache: Niemand hat gemessen, wie lange jemand an diesem Ort tatsächlich steht.
- Abhilfe: Koppeln Sie die Länge an die Verweildauer. Im Schaufenster sind 60 bis 90 Sekunden ein guter Wert, an der Kasse zwei bis drei Minuten, im Wartezimmer fünf bis zehn.
Fehler 8: Ton, wo Ton stört.
- Symptom: Am zweiten Tag dreht die Verkäuferin den Ton ab, und der Film ergibt ohne Sprecherstimme keinen Sinn mehr.
- Ursache: Ein Imagefilm wurde übernommen, wie er fürs Netz geschnitten war.
- Abhilfe: Im Verkaufsraum läuft ein Bildschirm stumm. Schneiden Sie Videos so, dass sie ohne Ton funktionieren, mit Untertiteln. Ton gehört dorthin, wo jemand freiwillig stehen bleibt: Messestand, Kiosk mit Knopf, Richtlautsprecher über einem Sitzplatz. Und denken Sie an die Rechte, der SUISA-Tarif gilt auch für Hintergrundmusik ab Bildschirm.
Fehler 9 und 10: Niemand pflegt, niemand schaut hin
Fehler 9: Kein Zuständiger für die Inhalte.
- Symptom: Im Februar läuft noch die Weihnachtsaktion.
- Ursache: Bei der Einführung waren alle begeistert, doch im Protokoll stand kein Name und kein Datum.
- Abhilfe: Eine Person mit Namen, eine Stellvertretung, ein fixer Termin im Kalender, zwanzig Minuten am Montagmorgen genügen. Geben Sie jeder Kampagne ein Ablaufdatum mit, dann räumt sich die Anlage selbst auf.
Fehler 10: Keine Überwachung, niemand merkt den schwarzen Bildschirm.
- Symptom: Das Gerät in der Zweigstelle ist seit elf Tagen dunkel. Erfahren hat es die Chefin vom Nachbarn, nicht vom System.
- Ursache: Wer täglich daran vorbeigeht, sieht irgendwann nichts mehr, und wer es steuert, sitzt anderswo.
- Abhilfe: Software, die jedes Gerät selbst melden lässt: Ist der Player online, läuft die Wiedergabe, und ist der Bildschirm über CEC oder RS-232 wirklich eingeschaltet. Dazu ein Alarm per Mail, wenn ein Gerät fünfzehn Minuten schweigt. In unserem Werbenetz sehen wir jeden Ausfall am selben Tag.
Fehler 11 und 12: Die falsche Reihenfolge
Fehler 11: Die Bewilligung erst nach der Montage bedacht.
- Symptom: Vier Wochen nach dem Einschalten liegt ein Brief der Gemeinde im Kasten, mit Frist und mit dem Wort Rückbau darin.
- Ursache: Ein Bildschirm hinter der Scheibe gilt in vielen Gemeinden als Reklame. In Kernzonen, an geschützten Fassaden und entlang von Strassen gelten eigene Vorschriften, bis hin zum Verbot bewegter Bilder oder zur Abschaltung in der Nacht.
- Abhilfe: Fragen Sie vor der Bestellung bei der Bauverwaltung nach, schriftlich, mit Foto der Fassade. Was in ein Reklamegesuch gehört, steht im Kapitel über Recht und Bewilligungen.
Fehler 12: Die Technik gekauft, bevor das Ziel klar war.
- Symptom: Ein Gerät steht im Lager, oder es hängt und läuft, aber niemand kann sagen, wozu.
- Ursache: Ein gutes Angebot, ein Messebesuch, ein Gerät, das gerade günstig war.
- Abhilfe: Schreiben Sie zuerst einen Satz: Dieser Bildschirm soll etwas Bestimmtes bewirken, damit etwas Bestimmtes geschieht. Dann folgen Ort, Inhalt und Zuständigkeit. Das Gerät kommt zuletzt.
Die Kurzdiagnose
Wenn eine Anlage klemmt, hilft es, nicht gleich am Gerät zu schrauben, sondern erst zu benennen, was Sie sehen. Die folgende Tabelle ist unsere Reihenfolge, wenn wir an einem Standort ankommen.
| Was Sie sehen | Wahrscheinliche Ursache | Erster Griff |
|---|---|---|
| Bild bei Tag milchig und grau | zu wenig Helligkeit, Spiegelung der Fassade gegenüber | Helligkeit prüfen, Gerät drehen oder neigen |
| Bild schwarz, Player läuft | Bildschirm im Standby oder falscher Eingang | Zeitplan und CEC prüfen, HDMI-Kabel tauschen |
| Videos ruckeln | Datenrate zu hoch für den Player | Video neu ausgeben, Datenrate senken |
| Inhalte veraltet | niemand ist zuständig | Namen, Termin und Ablaufdatum festlegen |
| Schrift unlesbar | Folie am Schreibtisch gestaltet | aus dem echten Abstand prüfen, Text kürzen |
| Gerät schaltet im Sommer ab | Betriebstemperatur überschritten | Belüftung, Sonnenschutz, passendes Gerät |
Notieren Sie, was Sie geprüft haben und in welcher Reihenfolge. Beim nächsten Mal sind Sie in zehn Minuten durch.
Woran Sie eine gute Anlage erkennen
Gehen Sie mit dieser Liste einmal um Ihre eigene Anlage herum, am besten zu zweit und zu einer Zeit, in der Betrieb ist. Was Sie nicht abhaken können, ist Ihre nächste Aufgabe.
- Sie lesen die Kernaussage aus dem echten Betrachtungsabstand, ohne zu blinzeln und ohne näher zu treten.
- Das Bild ist auch bei Sonne satt, nicht grau, und die Fassade gegenüber spiegelt sich nicht in der Mitte.
- Die Bildmitte liegt auf Augenhöhe, das Gerät sitzt gerade, die Fuge zur Wand ist sauber.
- Der Loop passt zur Verweildauer, die wichtigste Botschaft kommt zweimal vor.
- Kein Kabel ist sichtbar, keine Steckerleiste liegt in der Auslage.
- Die Anlage läuft stumm, oder der Ton ist hier gewollt und rechtlich geklärt.
- Eine Person mit Namen pflegt die Inhalte, jede Kampagne trägt ein Ablaufdatum.
- Jedes Gerät meldet sich selbst, ein Ausfall ist am selben Tag bekannt.
- Die Bewilligung liegt schriftlich vor, samt Auflagen zu Helligkeit und Nachtbetrieb.
- Sie können in einem Satz sagen, wozu dieser Bildschirm da ist, und Ihre Mitarbeitenden können es auch.
Zehn Häkchen, kein einziges davon ist teuer. Die meisten kosten eine Entscheidung und zwanzig Minuten.
MerksatzDie meisten Störungen sind keine Pannen, sondern Entscheidungen, die ein halbes Jahr früher gefallen sind.