Kapitel 03 · Standort und Montage
Der Ort entscheidet
Der Platz an der Wand bestimmt mehr über den Erfolg als jedes Datenblatt. Wie Sie Blickachsen, Höhe, Abstand und Licht lesen, bevor Sie ein Gerät aussuchen.
In einer Bäckerei im Mittelland hing ein Bildschirm über der Theke, knapp unter der Decke. Sauber montiert, gute Inhalte – nur schaute niemand hin. Die Leute standen anderthalb Meter davor, blickten auf die Gipfeli und hätten den Kopf in den Nacken legen müssen. Zwei Monate später hing dasselbe Gerät zwei Meter weiter links, auf Augenhöhe neben der Anstehzone, und plötzlich war es da. Nicht die Technik hatte sich geändert, nur der Ort.
Blickachsen und Laufwege
Bevor ich über Zoll, Helligkeit oder Abspielgeräte spreche, laufe ich den Weg ab, den Ihre Kundin nimmt: von der Tür zur Theke, von der Theke zur Kasse, hinaus. Ein Bildschirm gehört nicht dorthin, wo gerade eine Wand frei ist, sondern dorthin, wo die Leute ohnehin hinschauen.
Drei Fragen beantworte ich bei jeder Begehung:
- Woher kommen die Menschen? Durch welche Tür, in welchem Tempo?
- Wohin schauen sie unterwegs? Auf den Boden, auf die Ware, auf das Handy?
- Wo stehen sie still? Warteschlange, Empfang, Lift, Garderobe, Umkleide.
Die stillen Punkte sind das Wertvollste an einem Standort, denn wer wartet, liest. In den Fitnesscentern unseres Werbenetzes hängen die stärksten Flächen nicht im Trainingsraum, sondern dort, wo Menschen anstehen oder sich umziehen. Prüfen Sie ausserdem die Achse aus der Distanz: Sieht die Passantin den Bildschirm schon von der Strasse, oder erst halb im Laden?
Montagehöhe und Blickwinkel
Zu hoch montiert ist der häufigste Fehler, den wir antreffen, und er hat zwei Gründe: Unten ist die Wand belegt, oben sieht es nach mehr Wirkung aus. Dabei verlangt ein Bildschirm über Kopfhöhe eine Bewegung, die niemand macht, wenn die Aufmerksamkeit zwei Sekunden dauert.
Unsere Richtwerte aus der Praxis:
- Bildmitte auf Augenhöhe der stehenden Betrachterin, rund 1,55 bis 1,65 Meter über Boden.
- Sitzt das Publikum – Wartezimmer, Lobby, Restaurant –, sinkt die Bildmitte auf etwa 1,20 Meter.
- Unterkante im Querformat selten unter 1,10 Meter, sonst verdecken Menschen und Möbel das Bild.
- Hochformat-Stele im Durchgang: Unterkante bei etwa 0,80 Meter.
Muss ein Gerät wegen Türen oder Fluchtwegen höher, dann neigen Sie es nach unten; fünf bis zehn Grad genügen und helfen zusätzlich gegen Deckenspiegelungen. Denken Sie auch den seitlichen Blickwinkel mit: Viele günstige Panels werden schon bei dreissig Grad flau und farbverschoben. Wenn Ihr Publikum vorbeigeht statt davorzustehen, zählt das mehr als jede Auflösung.
Abstand und Bildgrösse
Die Frage «Welche Grösse brauche ich?» ist in Wahrheit die Frage «Aus welcher Distanz soll das gelesen werden?». Massgebend ist nicht die Diagonale, sondern die Schrifthöhe auf dem fertigen Bild. Als Faustregel rechne ich: Schrifthöhe in Millimetern gleich Betrachtungsabstand in Metern mal acht.
| Betrachtungsabstand | Mindestschrifthöhe | Sinnvolle Diagonale |
|---|---|---|
| 1 bis 2 Meter | rund 15 mm | 32 bis 43 Zoll |
| 3 Meter | rund 25 mm | 43 bis 55 Zoll |
| 5 Meter | rund 40 mm | 55 bis 65 Zoll |
| 8 Meter | rund 65 mm | 75 bis 86 Zoll |
| 12 Meter und mehr | rund 100 mm | 98 Zoll oder LED-Wand |
Die dritte Spalte gilt für eine übliche Gestaltung aus Titel, kurzer Zeile und Bild. Wollen Sie eine Speisekarte mit vielen Positionen zeigen, brauchen Sie mehr Fläche oder weniger Positionen je Bild. Alles auf einen 43-Zöller zu pressen endet immer gleich: Die Schrift wird klein, und niemand liest. Wie Inhalte in zwei Sekunden lesbar bleiben, steht im Kapitel über die Gestaltung.
Das Licht am Standort
Licht wird am häufigsten unterschätzt, weil es sich über den Tag ändert. Wer am Dienstagvormittag bei bedecktem Himmel misst, sieht nicht, was am Freitag um sechzehn Uhr passiert, wenn die Sonne flach durch die Fensterfront kommt.
Darauf achte ich vor Ort:
- Tageslicht: Wie viel Lux liegen auf der geplanten Fläche? Ab etwa 1000 Lux ist ein Innenraumgerät chancenlos.
- Gegenlicht: Steht das Fenster hinter dem Bildschirm, sieht die Betrachterin eine Silhouette. Dagegen hilft kein Candela, nur ein anderer Platz.
- Sonnenstand: morgens, mittags, abends. Eine Ost- und eine Westfassade brauchen unterschiedliche Geräte.
- Spiegelungen: Schauen Sie von der Betrachterposition auf die dunkle Glasfläche. Was spiegelt sich – Leuchte, Fenster, Kühlvitrine?
- Lichtfarbe: Warmes Licht um 2700 Kelvin lässt kühle Bildschirme blau wirken, und enge Spots waschen ein Display aus.
Die wirksamste Gegenmassnahme kostet fast nichts: eine Leuchte versetzen oder einen Spot anders ausrichten. Welche Helligkeitsklasse zu welchem Ort passt, steht im Kapitel über die Technik.
Hochformat oder Querformat
Über das Format wird meist aus dem Bauch entschieden: Hochformat wirke moderner, Querformat sei normal. Beides ist kein Argument. Den Ausschlag gibt der Inhalt, den Sie die nächsten Jahre zeigen wollen.
Hochformat passt, wenn Menschen vorbeigehen und der Inhalt untereinander steht: einzelne Angebote, Personen, Produkte, Termine, Wegweiser. Es passt dort, wo die Wand schmal ist – Pfeiler, Nische, neben der Tür – und nimmt hochformatig gefilmte Videos ohne Balken auf.
Querformat passt für Bewegtbild, Menüboards mit mehreren Spalten, Belegungspläne und alles, was vergleichend nebeneinandersteht. In Sitzungszimmern und Hotellobbys ist es fast immer richtig, weil dort auch einmal ein Laptop angeschlossen wird.
Zwei Dinge sind wichtiger als die Entscheidung selbst. Erstens: Bleiben Sie dabei – eine Anlage aus drei Hoch- und zwei Querformaten verdoppelt die Gestaltungsarbeit für immer. Zweitens: Ein Consumer-Fernseher darf nicht einfach gedreht werden. Für Dauerbetrieb im Hochformat braucht es ein freigegebenes Gerät, sonst staut sich die Wärme im Gehäuse.
Schaufenster: der schwierigste Ort
Das Schaufenster ist der verlockendste Platz und der anspruchsvollste. Hinter Glas steht das Gerät in einem kleinen Treibhaus: Die Sonne heizt die Scheibe, die Luft dahinter steht still, und ein normales Display schaltet irgendwann in den Hitzeschutz – meist an dem Nachmittag, an dem am meisten Leute vorbeigehen.
Was ein Schaufensterplatz braucht:
- Hohe Helligkeit, sonst gewinnt das Umgebungslicht. Innenraumhelligkeit reicht hier nie.
- Eine Betriebstemperatur, die zum Ort passt, und ein Panel, das gegen Ausbleichen ausgelegt ist.
- Belüftung: einige Zentimeter Abstand zur Scheibe, oben und unten offen. Eine geschlossene Holzkiste ist ein Backofen.
- Sonnenschutzfolie oder Beschattung, wenn die Scheibe nach Süden oder Westen zeigt.
- Eine Nachtabsenkung. Sie schont das Panel, spart Strom und beleuchtet nicht die halbe Gasse.
Denken Sie an die Rückseite: Von innen sieht die Kundschaft sonst eine schwarze Fläche mit Kabeln. Und klären Sie früh, ob Vermieter oder Gemeinde bei Leuchtreklame mitreden – in Altstadtlagen ist das die Regel.
Draussen: Wetter, Vandalismus, Strom
Draussen gelten andere Gesetze. Ein Aussengerät ist kein Innengerät mit Dach, sondern eine eigene Bauart – deshalb lohnt die Frage, ob ein Schaufenster von innen denselben Zweck erfüllt.
Worauf es ankommt:
- IP-Schutzart: dicht gegen Staub und Wasser, typisch IP65 rundum. Die Angabe muss für das ganze Gehäuse gelten, nicht nur für die Front.
- IK-Stossfestigkeit: In öffentlich zugänglichen Lagen zählt sie mehr als jedes andere Datenblattfeld, Sicherheitsglas vor dem Panel ist dort Pflicht.
- Diebstahl: Verschraubungen, die Werkzeug brauchen, Schloss am Servicefach, keine sichtbaren Kabel.
- Fundament und Statik: Eine freistehende Stele braucht ein Fundament, das Wind aufnimmt. Fassadendämmung ist kein Untergrund.
- Blitz- und Überspannungsschutz: Freistehende Anlagen gehören ins Blitzschutzkonzept des Gebäudes.
- Stromzuführung: Wer die Leitung erst nach der Bestellung plant, gräbt zweimal.
Kälte ist ebenso ein Thema wie Hitze: Gute Aussengeräte heizen sich vor dem Start selbst an, damit das Panel bei Minusgraden nicht träge wird.
Die Ortsbegehung
Eine Begehung dauert selten länger als eine Stunde und erspart später halbe Tage. Wir kommen mit Luxmeter, Massband, Leiter und Kamera – und wenn möglich zur belebten Tageszeit, nicht am ruhigen Montagmorgen.
Das nehmen wir auf:
- Lux-Messung an der geplanten Fläche, mindestens zweimal am Tag, dazu die Lichtfarbe der Leuchten.
- Abstände: kürzeste und typische Betrachtungsdistanz, freie Wandbreite, Decken- und Türhöhe.
- Fotos: frontal, aus dem Blickwinkel der Betrachterin, aus der Distanz und einmal die Rückseite der Wand.
- Steckdose: Wo ist die nächste, auf welchem Stromkreis, wird sie nachts abgeschaltet?
- Netzanschluss: Kabel bis zur Fläche möglich? Wenn nur WLAN, dann Signalstärke an der Montagestelle messen, nicht am Empfang.
- Wandaufbau: Backstein, Beton, Gipskarton, Dämmung, Glas. Wo sitzen Träger, wo laufen Leitungen?
- Fluchtwege und Brandschutz: nichts verdecken, keine Fluchtwegleuchte, keinen Feuerlöscher, keine Beschilderung.
- Denkmalschutz: In geschützten Lagen braucht es eine Bewilligung, auch für ein Gerät hinter dem Fenster.
- Mietvertrag: Wer darf bohren, was muss beim Auszug zurückgebaut werden?
Diese Liste beantwortet drei Dinge: Gerät, Halterung, Anschluss. Wer sie vor der Bestellung ausfüllt, bohrt genau einmal.
MerksatzEin Bildschirm gehört dorthin, wo Menschen stehenbleiben – und auf die Höhe, auf der sie ohnehin hinschauen.